Mercedes Benz W460 280GE G Klasse in der ursrünglichen Ausführung von 1979

Mercedes Benz G Klasse W460 Typ 280GE

Mercedes Benz G Klasse W460 Typ 280GE

Was hat der letzte Schah  von Persien – Mohammad Reza Pahlavi – mit meinem Neffen  und dem Mercedes W460 zu tun ? Der eine ist verantwortlich dafür, dass seit kurzem ein Mercedes Benz G 280 im Besitz unserer Familie ist, der andere, weil er für sein Land einen Jagdwagen und einen universellen Geländewagen für die Iranische Armee benötigte. Um weiteren Fragen vorzubeugen: Nein nicht jeder Herrscher aus dem nahen Osten, kann einfach so mal nebenbei,  Mercedes Benz dazu bewegen ein gänzlich neues Auto in

das Programm aufzunehmen. Wenn man allerdings im Besitz von nicht unerheblichen Aktienanteilen an der damaligen Mercedes Benz AG war, dann konnte man sich schon mal vom Vorstand ein Auto wünschen. Und weil das 1972 geschah und die umsichtigen und klugen Köpfe in Stuttgart die Sache mit der gesunden Portion Skepsis angegangen sind, holte man sich den Österreichischen Mischkonzern, die heutige Steyr-Daimler-Puch AG, an Bord.




Dieser Eisenwarenfabrikant hatte immerhin Pkw, Lkw, Geländewagen, Traktoren, Landmaschinen, Wälzlager, Jagdwaffen, Panzer, Motorräder, Fahrräder und Werkzeuge im umfangreichen Portfolio. Die Verschmelzung der geballten Kompetenzen, spuckte ab 1979 die ersten G Klassen in Graz aus den Fabrikhallen. Der legendäre Mercedes Ölmotor OM 616 mit seinen 65 (kurz darauf 72) Pferdestärken, bildete die Basis dieser robusten, für härteste Einsätze konzipierten Geländewagen. Der zweite Motorenstreich im W460 war der OM 617, dessen 80 (später 88PS) schon etwas mehr Dampf versprachen. Wenn es aber richtig viel Leistung sein sollte und Benzin als Kraftstoff verwendet werden durfte, konnten die meist öffentlichen Auftraggeber auch den M110er Motor ordern. Jener Sechszylinder, der sowohl die W123er Mittelklasse als Spitzenmotorisierung  antrieb  und in bester Mercedes Benz Manier auch die Einstiegsmotorisierung in die damals brandneue S Klasse vom Typ W126 verkörperte. Vorgestellt wurde dieser Motor aber bereits im Jahre 1972. Im legendären Mercedes Benz Strich 8 sollte er die sportlich orientierte Kundschaft vom Kauf eines bayrischen Automobil abhalten und bei der Mercedes Stange halten. Betrachtet man die Konstruktion dieser Maschine, ist die Verwendung in der G Klasse um so erstaunlicher. Zwei obenliegende Nockenwellen, die Eine  steuert die Einlassventile und gegenüber werden die Auslassventile von der zweiten Welle betätigt. Somit lagen sich Ansaug – und Abgasfluss gegenüber. Bei dieser Bauweise spricht man von crossflow, also klassischer Rennmotorenbau, bei dem der schnelle Gaswechsel im Vordergrund steht, der aber auch hohe Drehzahlen fordert. Die für die PKW Version definierten 185 PS wurden für die G Klasse auf 156 PS, zu Gunsten eines besseren Drehmomentverlaufs, reduziert. Konkret sehen die Zahlen im Mercedes W460 280GE wie folgt aus:

115 kW (156 PS) bei 5250/min bis 1984;
110 kW (150 PS) bei 5250/min ab 1984.
Drehmoment: 226 Nm bei 4250/min

Gerade der letzte Wert, 226 Nm bei 4250 U/pmin, zeigt wie sehr dieses Aggregat auf Drehzahl angewiesen ist. In der Abhandlung zum Mercedes /8 von Rhode und Koch, kann man nachlesen, dass seiner Zeit die Mercedes Techniker nicht sonderlich erfreut waren über die Charakteristik dieser Maschine. Unten schlapp oben Power, war das Kredo. Die Entfaltung in einem Fahrzeug wie der G Klasse, ist jedoch eine gänzlich andere als in einer Luxuslimousine vom Schlage einer S Klasse des Baumuster W116 oder W126. Im G macht das Zusammenspiel mit den Untersetzungen im Getriebe und Differential diese Manko wieder wett.

Die Ausführungen der Karosserien war im Wesentlichen auf die zwei unterschiedlichen Radstände fokussiert. Der kurze G mit 2400 mm und der Lange mit 3428 mm. Es gab offene Versionen mit einem Planenverdeck, Fensterausführungen und eher selten die geschlossenen Aufbauten, die den Charakter von geländegängigen Lieferwagen hatten. Unser Neuzugang verfügt über den langen Radstand, mit rundum Verglasung.

Da zu den Zeiten der Markteinführung das Sports Utilitie Vehicle noch nicht erfunden war, waren die ersten G’s mit Innenraumkomponenten, aus dem Mercedes Transportern der T1 Baureihe ausstaffiert. So kann man das Zweispeichen Lenkrad ebenso im Transporter finden, wie Elemente der Armaturen, Schalter und Leuchten. Auch das komplette, ebenso simple Bedienelement der Heizung stammt von der Nutzfahrzeugverwandtschaft ab (Lesen Sie dazu auch den Artikel über den T1 Camper auf meincamp.de). Ganz anders sieht es hingegen bei den Bedienelementen der Getriebekomponenten aus. Neben dem Schalthebel für die einfache Gangwahl, lassen sich mit einem weiteren Hebel Untersetzungen hinzuschalten. Mit zwei weiteren kleineren Schiebehebeln, werden die Diffrentiale an der Vorder – und Hinterachse gesperrt. Untersetzt und gesperrt arbeitet sich der 280 GE durch schwerstes Gelände. Die Sitzanlage (original Mercedesjargon) soll einem Menschen die Bedienung der Maschine ermöglichen, von Komfort war 1979 nie die Rhede…

Lesen Sie im zweiten Teil, warum sich jemand einen Mercedes 280 GE zulegt, wenn schon ein UNIMOG 404 in der Garage steht.