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Sex auf Verlours ! Martin Walser Seelenarbeit

Nach fast 40 Jahren ! Schwerwiegende Fehler in Martin Walser  Seelenarbeit entdeckt !

Sensation ! Nach fast 40 Jahren wurden vom Sterne-Blog Autor Hendrik Steinacker,  schwerwiegende Fehler im Roman „Seelenarbeit“ vom vielfach ausgezeichneten Martin Walser, entdeckt.

Sterne-Blog ? Martin Walsers Roman Seelenarbeit ? Sie fragen sich nicht ganz zu Unrecht, was das mit dem Mercedes Youngtimer Blog zu tun hat !  Bevor nun meine Stammleserschaft gelangweilt oder gar verärgert aus diesem Beitrag aussteigt und mir zu wenig Tassen im Schrank attestiert, sei hier vorweg genommen, das es im Wesentlichen um einen 350iger – so nennt Walser ihn – geht. Ja genau ! Offenbar beschreibt Walser die Leiden eines Mercedes 350 SEL des Baumusters W116.

Wer jetzt noch im Text ist und nicht ganz so bewandert ist in Sachen deutscher Literatur, dem sei hier kurz Martin Walser und sein Roman Seelenarbeit von 1979 vorgestellt.

In diesem  Werk  beschreibt Walser den Burnout – nein keine schwarzen Streifen auf dem Asphalt, sondern  die Erschöpfung eines Chauffeurs, der jahrelang einen Herrn Dr. Gleitze durchs Land chauffieren musste.

Auf all diesen Fahrten kann der arme Fahrzeugführer jener legendären Mercedes S Klasse, nie mit seinem Chef, der ständig entweder in Mozarts Notenbüchern vertieft ist oder eingeklemmt unter klotzartigen Kopfhören, die Musik dieses Komponisten von einer Musikkassette hört, die mutmaßlich von einem Becker Casettendeck abgespielt wird, reden ! Reden über seinen Bruder, der zum Ende des zweiten Weltkrieges just in der Geburtsstadt von Dr. Geitze in 3 verschiedenen Versionengefallen ist. Und wann kommt das mit dem Sex auf Verlours ? Später…

Kartendarstellung einer Fahrt Xaver Zürn im Roman Seelenabrbeit von Martin Walser
Kartendarstellung einer Fahrt Xaver Zürn im Roman Seelenabrbeit von Martin Walser
Daten von http://www.openstreetmap.org OpenStreetMap - Veröffentlicht unter http://opendatacommons.org/licenses/odbl/

Nicht nur die Ortschaften in Walsers Romanen sind authentisch. Viele der Gasthäuser und Hotels, die genannt werden, existierten, bzw. existieren noch heute ! Doch in einem Punkt verliert Martin Walser seine Authentizität und schwubs – Xaver der Romanchauffeur  würde Heilandzack sagen – passieren die gravierende Fehler !

Es geschieht ihm, als er seine Romanfiguren den 350er, auf der Rückreise von München, eine Abkürzung fahren lässt. Zitat aus dem originalen Text:

„Wie schön das jetzt wäre Fuss aufs Gas sinken lassen, bis zum Anschlag, dass die Zylinder ein wenig aufsängen, dann mit den ganzen 255 PS auf so einen Laster drauf.“

Fehler I

Kenner der Mercedes S Klasse aus der Baureihe W116 haben es jetzt schon bemerkt ! Sehen wir mal davon ab, dass der Chauffeur nicht so gut auf seinen Chef, den Herrn Dr. Gleitze zu sprechen ist und er überlegt ihn durch einen Auffahrunfall auf den Anhänger eines Lastwagens, statt Heim, aus dem Leben zu befördern ! Dank eines damals noch nicht lieferbaren Beifahrer Airbag, ein durchaus denkbarer Plan. Doch dann :

Ein 350er W116 hatte gar keine 255 PS !

Fehler II

Läßt man wirklich den Fuß aufs Gas sinken, bis zum Anschlag, dann stellt sich bei einem alten Mercedes Benz V8 Motor kein Gesang ein ! Das sonore Surren, aus dem sanften Dahingleiten, verwandelt sich, mit schnell steigender Drehzahl, über ein wütendes Brummen  zu einem brutalen Hämmern. Die Limousine legt alle guten Manieren zur Seite, wird zu einem Rüpel, der sich laut wie ein McLaren Formel 1 Mercedes, völlig ungeniert aus dem 90 Liter Tank bedient. Dafür entschädigen aber die Sitzlehen, via Rückenmark, und geben unmissverständlich zu verstehen: Vorschub !

Walser ! Einer der bedeuteten, umstrittensten und zweifelsfrei einer der bekanntesten Literaten, der die Wörter der deutschen Sprache besser sortieren konnte als jeder Hazet Werkzeugrollwagen Stecknüsse und Ringschlüssel, dieser Walser nennt 255 PS für einen 350er ! Hat er das schlecht recherchiert ? Tätigte er einen Anruf bei der Mercedesvertretung in Ravensburg und hatte nur einen Lehrling der Buchhaltung an der Strippe ? Hat er evtl. gar nicht nachgeschaut und nur die Leistung eines 350ers geschätzt ?
Die literaturinteressierten Mercedes Benz Young- und Oldtimerfreunde können darüber großzügig hinweg sehen, auch wenn Walser nach eigenem Bekunden schon mal einen 300er (vermutlich W124er) besessen hat. Das große Aber ergibt sich jedoch aus der Wahl eines W116 350er ! Als typischen Chauffeurwagen für den Chef einer Alaramanlagenfabrik, wäre eher ein 450er in Frage gekommen. Und tatsächlich verwendet Walser in einem späteren Zusammenhang einen 450er als Dienstfahrzeug des Chauffeur Xaver Zürn.

Mercedes Benz M117 450 SE W116
Mercedes Benz M117 450 SE W116

Die Langversion als 450 SEL bot allerdings auch nur maximal 225 PS Leistung aus dem 4,5 Liter großen V8 des Baumusters M117 ! Um die Mercedes Benz technische Reputation von Martin Walser großzügig unangetastet zu lassen, könnten man nun einen Zahlendreher unterstellen. Zweifelsfrei verfügt Walser jedoch über das technische Wissen eines Mercedes W116 seiner Zeit. An einer anderen Stelle in seinem Roman  schreibt er:

Er stellt die Automatik auf S.“

Martin Walser Seelenarbeit Er stellte die Automatik auf S
Martin Walser Seelenarbeit Er stellte die Automatik auf S

Mit diesem Satz gibt der Autor, ganz richtig, die Gliederung der Schaltkulisse der Mercedes Benz Automatikgetriebe jener Zeit wieder. Doch warum Xaver nur im zweiten Gang des dreistufigen Getriebes fahren wollte, dass verrät uns Walser nicht !

Was jetzt folgt ist Literaturkritik eines Mercedes Bloggers, in der Hoffnung es möge ihm nicht so ergehen, wie dem Kritiker, der in einem anderen Walser Roman zu Tode kam.

Der Fahrer Xaver, der aus einfachen, ländlichen Verhältnissen stammte, durfte das Automobil bewegen, das für 99% der restlichen Bevölkerung der Republik ein unerfüllbarer Traum war, dieser Mann vernascht das Dienstmädchen der Gleitzes auf einer Decke im Wald, statt die verloursgepolsterten Liegesitze im Benz zu nutzen, zumal die Langversion mit dem und 10 cm verlängerten Radstand für den Geschlechtsakt aus dem Fahrer und dem Hauspersonal, genug Raum für die Verletzung der Seele des Chefs geboten hätte. Sex auf Velours, statt auf dem schmutzigen Boden am Weiher wäre hier mein Verbesserungsvorschlag !

Genussvoll darf sich der Leser einen lindgrünen 350er vorstellen, aber das das mächtige, gusseiserne V8 Agrgat unter der langen Motorhaube, also Herz und Seele einer Mercedes S Klasse, die erste Achtzylinder Nachkriegskonstruktion nach dem legendären Motor M100, aus dem Über-Mercedes 600, war, verschweigt er uns. Spätestens hier stellt sich die Frage, ob die Dimension eines Mercedes 600 in kurzer Ausführung, dem Stand von Dr. Gleitze eher entsprochen hätte, als die S Klasse W116 ! Gut war die Wahl eines Mercedes Benz als Hauptfigur in einem Roman allemal. Wäre es ein BMW 7er geworden, hätte ich das Buch nicht zu Ende gelesen…

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Mercedes Benz G Klasse W460 Typ 280GE

Mercedes Benz G Klasse W460 Typ 280GE

Was hat der letzte Schah  von Persien – Mohammad Reza Pahlavi – mit meinem Neffen  und dem Mercedes W460 zu tun ? Der eine ist verantwortlich dafür, dass seit kurzem ein Mercedes Benz G 280 im Besitz unserer Familie ist, der andere, weil er für sein Land einen Jagdwagen und einen universellen Geländewagen für die Iranische Armee benötigte. Um weiteren Fragen vorzubeugen: Nein nicht jeder Herrscher aus dem nahen Osten, kann einfach so mal nebenbei,  Mercedes Benz dazu bewegen ein gänzlich neues Auto in

das Programm aufzunehmen. Wenn man allerdings im Besitz von nicht unerheblichen Aktienanteilen an der damaligen Mercedes Benz AG war, dann konnte man sich schon mal vom Vorstand ein Auto wünschen. Und weil das 1972 geschah und die umsichtigen und klugen Köpfe in Stuttgart die Sache mit der gesunden Portion Skepsis angegangen sind, holte man sich den Österreichischen Mischkonzern, die heutige Steyr-Daimler-Puch AG, an Bord.




Dieser Eisenwarenfabrikant hatte immerhin Pkw, Lkw, Geländewagen, Traktoren, Landmaschinen, Wälzlager, Jagdwaffen, Panzer, Motorräder, Fahrräder und Werkzeuge im umfangreichen Portfolio. Die Verschmelzung der geballten Kompetenzen, spuckte ab 1979 die ersten G Klassen in Graz aus den Fabrikhallen. Der legendäre Mercedes Ölmotor OM 616 mit seinen 65 (kurz darauf 72) Pferdestärken, bildete die Basis dieser robusten, für härteste Einsätze konzipierten Geländewagen. Der zweite Motorenstreich im W460 war der OM 617, dessen 80 (später 88PS) schon etwas mehr Dampf versprachen. Wenn es aber richtig viel Leistung sein sollte und Benzin als Kraftstoff verwendet werden durfte, konnten die meist öffentlichen Auftraggeber auch den M110er Motor ordern. Jener Sechszylinder, der sowohl die W123er Mittelklasse als Spitzenmotorisierung  antrieb  und in bester Mercedes Benz Manier auch die Einstiegsmotorisierung in die damals brandneue S Klasse vom Typ W126 verkörperte. Vorgestellt wurde dieser Motor aber bereits im Jahre 1972. Im legendären Mercedes Benz Strich 8 sollte er die sportlich orientierte Kundschaft vom Kauf eines bayrischen Automobil abhalten und bei der Mercedes Stange halten. Betrachtet man die Konstruktion dieser Maschine, ist die Verwendung in der G Klasse um so erstaunlicher. Zwei obenliegende Nockenwellen, die Eine  steuert die Einlassventile und gegenüber werden die Auslassventile von der zweiten Welle betätigt. Somit lagen sich Ansaug – und Abgasfluss gegenüber. Bei dieser Bauweise spricht man von crossflow, also klassischer Rennmotorenbau, bei dem der schnelle Gaswechsel im Vordergrund steht, der aber auch hohe Drehzahlen fordert. Die für die PKW Version definierten 185 PS wurden für die G Klasse auf 156 PS, zu Gunsten eines besseren Drehmomentverlaufs, reduziert. Konkret sehen die Zahlen im Mercedes W460 280GE wie folgt aus:

115 kW (156 PS) bei 5250/min bis 1984;
110 kW (150 PS) bei 5250/min ab 1984.
Drehmoment: 226 Nm bei 4250/min

Gerade der letzte Wert, 226 Nm bei 4250 U/pmin, zeigt wie sehr dieses Aggregat auf Drehzahl angewiesen ist. In der Abhandlung zum Mercedes /8 von Rhode und Koch, kann man nachlesen, dass seiner Zeit die Mercedes Techniker nicht sonderlich erfreut waren über die Charakteristik dieser Maschine. Unten schlapp oben Power, war das Kredo. Die Entfaltung in einem Fahrzeug wie der G Klasse, ist jedoch eine gänzlich andere als in einer Luxuslimousine vom Schlage einer S Klasse des Baumuster W116 oder W126. Im G macht das Zusammenspiel mit den Untersetzungen im Getriebe und Differential diese Manko wieder wett.

Die Ausführungen der Karosserien war im Wesentlichen auf die zwei unterschiedlichen Radstände fokussiert. Der kurze G mit 2400 mm und der Lange mit 3428 mm. Es gab offene Versionen mit einem Planenverdeck, Fensterausführungen und eher selten die geschlossenen Aufbauten, die den Charakter von geländegängigen Lieferwagen hatten. Unser Neuzugang verfügt über den langen Radstand, mit rundum Verglasung.

Da zu den Zeiten der Markteinführung das Sports Utilitie Vehicle noch nicht erfunden war, waren die ersten G’s mit Innenraumkomponenten, aus dem Mercedes Transportern der T1 Baureihe ausstaffiert. So kann man das Zweispeichen Lenkrad ebenso im Transporter finden, wie Elemente der Armaturen, Schalter und Leuchten. Auch das komplette, ebenso simple Bedienelement der Heizung stammt von der Nutzfahrzeugverwandtschaft ab (Lesen Sie dazu auch den Artikel über den T1 Camper auf meincamp.de). Ganz anders sieht es hingegen bei den Bedienelementen der Getriebekomponenten aus. Neben dem Schalthebel für die einfache Gangwahl, lassen sich mit einem weiteren Hebel Untersetzungen hinzuschalten. Mit zwei weiteren kleineren Schiebehebeln, werden die Diffrentiale an der Vorder – und Hinterachse gesperrt. Untersetzt und gesperrt arbeitet sich der 280 GE durch schwerstes Gelände. Die Sitzanlage (original Mercedesjargon) soll einem Menschen die Bedienung der Maschine ermöglichen, von Komfort war 1979 nie die Rhede…

Lesen Sie im zweiten Teil, warum sich jemand einen Mercedes 280 GE zulegt, wenn schon ein UNIMOG 404 in der Garage steht.